Selbsthilfe-Schlafapnoe

So gewöhnt man sich an die Maske

Viele Patienten werden mit einem Beatmungsgerät und einer Atemmaske aus dem Schlaflabor mit der Diagnose entlassen: Schlafapnoe.

Die meisten Ärzte meinen es zwar gut, sie wissen jedoch nur selten aus eigener Erfahrung wie es ist, mit einer solchen Maske schlafen zu müssen.

Wenn man Glück hat, wurde einem das Beatmungsgerät erklärt und man durfte eine oder zwei Masken ausprobieren.

Vielleicht hat man Ihnen noch erklärt, dass Ihnen die Beatmungstherapie eine Reihe schwerer Erkrankungen erspart.
Eine Beatmungstherapie ist aber kein Vergnügen.  Insbesondere wenn man bedenkt, dass Sie diese Maske Nachts nun lebenslang aufsetzen müssen.

Oft fühlen sich die Patienten regelrecht überrumpelt.

Schön wäre es, wenn man bereits vor dem Schlaflaborbesuch aufgeklärt würde und man schon ein wenig mit der Maske hätte üben können.
Man fährt ja auch nicht gleicht in der ersten PKW-Fahrstunde auf die Autobahn.

Nun muss man aber sagen, dass die meisten Patienten mit der Maske ganz gut zurecht kommen.

Es gibt aber Betroffene, bei denen klappt die Versorgung nicht auf Anhieb. Hier ist Geduld gefragt. Das kann mehrere Monate dauern. In manchen Fällen auch mal ein oder zwei Jahre bis man „seine“ optimale Therapie gefunden hat.

Wir möchten Ihnen deshalb einige Tipps geben, wie andere Betroffene es geschafft haben, sich an die Beatmungstherapie zu gewöhnen.

Die wichtigste Änderung: Sie haben nun einen neuen (zusätzlichen) Bettpartner: Das Beatmungsgerät mit Maske.
Wie mit jedem neuen Partner, treten meist einschneidende Veränderungen im Leben ein. Bei einer unbehandelten Schlafapnoe ist der Schlaf massiv gestört. Ein erholsamer Schlaf ist fast nicht möglich.

Viele Patienten berichten bereits nach der ersten Nacht mit dem Beatmungsgerät, dass sie sich plötzlich viel besser fühlen. Sie sind ausgeruht und gehen ungewohnt frisch und erholt in den Tag.
Wer diese Veränderung bewusst wahrnimmt, dem gelingt es,  gelegentliche kleinere Probleme locker zu meistern.

Ich möchte nachfolgend aber die Probleme schildern, die in unserer Selbsthilfegruppenarbeit immer wieder genannt werden:

  1. Patient verweigert grundsätzlich die Maskentherapie
  2. „Das ist alles so laut“
  3. Patient hat irgendeine Maske verordnet bekommen. Warum gerade diese?
  4. Welches ist die ideale bzw. beste Maske?
  5. – Die Maske verrutscht
    – Patient hat Druckstellen auf der Nase oder rote Stellen im Gesicht
    – Patient klagt über rote Augen oder Bindehautentzündung
    – Patient hatte einen entzündeten Oberkiefer
  6. Patient klagt über trockene Nasenschleimhäute
  7. Patient klagt über trockenen Mund
  8. Patient muss auf die Toilette, setzt die Maske dazu ab. Bis er danach die Maske wieder aufgesetzt hat, ist er wach und kann nicht mehr einschlafen.
  9. Patient leidet mit der Maske unter Platzangst oder zieht sich die Maske nachts unbemerkt vom Kopf

Hierzu einige Tipps:

zu 1) Patient verweigert grundsätzlich die Maskentherapie

Es wird nach Alternativen gefragt.
Fakt ist: Der Patient leidet an einer Krankheit, die sehr schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann. Er sollte dringend etwas dagegen tun.
Es gibt ein paar grundsätzliche Dinge:

Sein Leben ändern.

Falls Sie Übergewichtig sind, nehmen Sie so viel Gewicht wie möglich ab.
Essen Sie abends keine Nahrungsmittel die Ihnen schwer im Magen liegen  und trinken Sie keinen Alkohol mehr. Insbesondere das Übergewicht ist der größte Risikofaktor. Je weniger Sie wiegen, desto weniger Fett- und Muskelmasse haben Sie an Hals und Zunge und je weniger kann auf die Luftröhre drücken.

Als Therapiealternativen kommen evtl. noch eine Unterkieferprotrusionsschiene oder ein Zungenschrittmacher in Betracht.

Unterkieferprotrusionsschiene

Bei der Unterkieferschiene darf das Übergewicht nicht zu groß sein, denn mit Hilfe dieser Schiene wird der Unterkiefer um einige Millimeter nach vorne verlagert und dadurch die Halsmuskulatur überstreckt. Die Luftröhre bleibt hier geöffnet. Je mehr Fett- und Muskelmasse am Hals vorhanden sind, desto schlechter kann die Schiene ihren Dienst verrichten.
Die Schiene wird von den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen bezahlt.
Kosten zwischen 700 und 3000 Euro – je nach Arzt.
Viele Schienen haben auch den Nachteil, dass sie das Kiefergelenk  langfristig schädigen können. Sie sollten sich einen spezialisierten Zahnarzt suchen. Als Schlagwort dient hier eine Mitgliedschaft in der „DGZSM“ (Deutsche Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin e.V.)

Zungenschrittmacher

Hierfür darf der Patient praktisch kein Übergewicht haben. Patienten werden vorher sehr genau untersucht. Denn nach heutigem Stand (Juli 2019) sind nur 3-5 % der Patienten für diese Therapie überhaupt geeignet.
Der Zungenschrittmacher wird, ähnlich einem Herzschrittmacher, im Bereich des Schlüsselbeins implantiert und mit einer Fernbedienung abends ein- und morgens wieder ausgeschaltet. Die Kosten in Höhe von ca. 15.000 Euro werden, wie bei der Unterkieferschiene, nur in wenigen Ausnahmefällen von den Krankenkassen übernommen.

zu 2) „Das ist alles so laut“

Die Beatmungstherapie wird allgemein als zu laut erlebt.

Es ist natürlich ein neues Geräusch im Schlafzimmer, an das man sich erst einmal gewöhnen muss. Lassen Sie sich Zeit. Das geht schnell vorüber. Sehen Sie zu, dass Sie abends müde sind. Bewegen Sie sich viel, unternehmen Sie etwas, halten Sie keinen Mittagsschlaf. Das kann alleine schon helfen.

Ansonsten gibt es drei Verursacher von Geräuschen:

1) Das Beatmungsgerät
Die modernen Geräte sind heute sehr leise. Sie haben fast kein Betriebsgeräusch mehr. Stellen Sie es evtl. auf eine Schaumstoffmatte oder stellen Sie es auf den Boden, damit Geräusche nicht über das Nachtschränkchen übertragen und verstärkt werden.
Bauen Sie das Gerät keinesfalls in einen Schrank ein, denn es muss ungehindert Luft zur Beatmung und zur Kühlung in das Gerät gelangen können.

2) Der lange Schlauch zwischen Gerät und Maske
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Schlauch eine große Lärmquelle darstellen kann. Je nachdem aus welchem Material er hergestellt wurde, hört man die durch ihn strömende Luft mehr oder weniger laut. Es gibt Schläuche aus relativ starrem und dünnen Kunststoffmaterial. Da hört man die durchströmende Luft  besonders laut. Bei weichem und dicken Material, z.B. Silikon, wird es leiser.

3) Die Maske
Das ist konstruktionsbedingt. Die Schlafapnoe-Beatmungsmasken haben kein Ventil wie ein Lungenautomat beim Tauchen. Die Luft aus dem Beatmungsgerät strömt kontinuierlich, auch wenn Sie ausatmen. Die nicht benötigte Luft wird aus ein paar kleinen Löchern in der Maske herausgeleitet. Das hört man. Genauso wie man den Luftstrom im Atemschlauch hört, so hört man die Luft auch in der Maske zirkulieren.

Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten:  Wenn die Maske passt und keine der nachfolgend noch genannten Probleme auftreten, dann seien Sie froh, dass das so ist und versuchen Sie sich, an das Geräusch zu gewöhnen. Anderenfalls bleibt nur die Suche nach einer anderen Maske.

Wenn die Maske ohnehin nicht passt oder wenn sie nicht korrekt sitzt, dann beachten Sie die nachfolgenden Tipps.

zu 3) Patient hat eine Maske verordnet bekommen. Warum gerade diese?

Es gibt im Grundsatz 3 verschiedene Maskentypen:

– Nasenmaske (geht nur über die Nase)
– Fullface-Maske (geht über Mund UND Nase)
– Nasenolivenmaske (zwei kleine Stöpsel werden in die Nasenlöcher gesteckt)

und dann noch einige Sondermodelle wie eine Ganzgesichtsmaske oder eine Fullface-Maske, die nur über dem Mund liegt , die Nase liegt auf der Maske auf.

Nähere Infos zu den Masken erhalten Sie hier:

Wahrscheinlich hat man Ihnen eine Nasenmaske oder eine Fullface-Maske verordnet. Eine Nasenmaske bedeckt, wie der Name schon sagt, nur die Nase. Wenn Sie während des Schlafs jedoch dazu neigen den Mund zu öffnen, strömt die Luft, die in die Nase eingeleitet wird, aus dem Mund wieder aus. Der Zweck wird dadurch verfehlt.

In diesem Fall wird man Ihnen eine Fullface-Maske verordnet haben.

Besprechen Sie das Thema ggf. mit Ihrem behandelnden Facharzt.

zu 4) Welches ist die ideale bzw. beste Maske?

Es gibt nicht „die Beste oder ideale“ Maske. Es gibt zu jedem der o.g. Maskentypen unzählige Modelle unterschiedlicher Hersteller. Keine der angebotenen Masken ist schlecht. Jede Maske hat ihre Besonderheiten, Vorzüge und Nachteile. Sie müssen nur die Maske finden, die am besten zu IHREM Gesicht passt. Auch hier ist Geduld und vor allem Erfahrung gefragt. Wenn eine der angebotenen Masken einfach nicht passen will oder wenn Sie insgesamt damit unzufrieden sind, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, dem Schlaflabor oder Ihrem Versorger.

Was ein „Versorger“ ist, können Sie hier nachlesen

zu 5)
– Die Maske verrutscht
– Patient hat Druckstellen auf der Nase oder rote Stellen im Gesicht
– Patient klagt über rote Augen oder Bindehautentzündung
– Patient hat(te) einen entzündeten Oberkiefer

Alle o.g. der genannten Probleme haben mit dem richtigen Sitz der Maske zu tun.

Alle Masken haben ein umlaufendes Silikonkissen, welches sich dem Gesicht individuell anpassen und die Maske mit dem Gesicht so verbinden soll, dass an keiner Stelle unerwünscht Luft ausströmen kann.

Leider ist das nicht immer so leicht. Je größer die abzudichtende Fläche ist,  an umso mehr Stellen kann Luft ausströmen.

WICHTIG:

Die Befestigungsgurte dürfen weder zu stramm sitzen, noch zu locker. Sitzen sie zu locker, kann durch den Luftdruck, mit dem die Luft vom Beatmungsgerät in die Maske geblasen wird, die Maske vom Gesicht weggedrückt werden und Luft strömt ungewollt aus. Rote Augen und Bindehautentzündungen  können die Folge sein.

Sitzen die Gurte zu fest, kann das Silikon nicht mehr flexibel genug abdichten. Auch hier kann Luft ausströmen. Hinzu können blutende und schmerzhafte Druckstellen auf dem Nasenrücken kommen. Auch rote Druckstellen im Gesicht, die sich erst nach Stunden wieder zurück bilden, treten häufig auf.

Es gab auch schon Patienten, die haben die Maske derart festgezurrt, dass der Druck auf den Oberkiefer diesen stark entzündet hat.

Es gilt also, eine optimale Balance zwischen locker und fest zu finden.

Noch ein Tipp:

Wenn Sie glauben, die Maske sitzt gut, dann schalten Sie das Beatmungsgerät ein. Sie merken dann sehr schnell, ob die Maske gut genug abdichtet oder nicht.
Wenn alles dicht zu sein scheint, dann schneiden Sie Grimassen. Dabei bewegt sich Ihre Gesichtshaut und Sie merken sehr schnell, wo nun noch Luft austritt. Versuchen Sie so nach und nach die optimale Einstellung herauszufinden. Zum Schluss legen Sie sich ins Bett. Bevorzugt in Ihre Lieblings-Schlafposition. Vielleicht gibt es jetzt auch noch etwas zu korrigieren.

Auch über die Anschaffung eines anderen Kopfkissens können Sie nötigenfalls nachdenken.

Lassen Sie sich Zeit. Diese Einstellungsarbeit müssen Sie einmal machen. Das kann ein paar Tage dauern bis Sie zufrieden sind. Wenn alles passt, haben Sie erstmal Ruhe. Im Laufe der Zeit leiern die Kopf-Befestigungsgurte etwas aus. Dann müssen Sie millimeterweise nachjustieren. Irgendwann geht das aber in Fleisch und Blut über.

zu 6) Patient klagt über trockene Nasenschleimhäute

Durch die in die Maske einströmende Luft ist das nicht ungewöhnlich.

Sie können mit einer Nasensalbe, die es für wenig Geld in der Drogerie oder der Apotheke zu kaufen gibt, Ihre Nase in der Nacht einschmieren. Das hilft meist schon.

Außerdem können Sie sich von Ihrem behandelnden Facharzt einen Luftbefeuchter verordnen lassen. Diese Luftbefeuchter gibt es für alle Beatmungsgeräte.

Versuchen Sie es erst einmal mit der Salbe, denn Luftbefeuchter müssen wieder gepflegt und gereinigt werden. Diesen Aufwand kann man sich evtl. sparen.

zu 7) Patient klagt über trockenen Mund

Dieses Thema ist schon schwieriger. Haben Sie eine Nasenmaske, kann es sein, dass Sie nachts den Mund öffnen. Es gibt auf dem Markt spezielle Kinngurte, mit denen man versuchen kann, den Mund geschlossen zu halten.
Wenn das nicht hilft, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Facharzt. Evtl. ist dann der Umstieg auf eine Fullface-Maske anzuraten, bei dem Nase und Mund gleichzeitig von der Maske umschlossen werden.

Haben Sie eine Fullface-Maske und trotzdem einen trockenen Mund, dann sollten Sie über einen Luftbefeuchter nachdenken.

Haben Sie bereits einen Luftbefeuchter, dann hilft nur: Maske absetzen und mit einem Schluck Wasser den Mund spülen.

Es gibt auch noch Lutschtabletten oder Sprays. Sprechen Sie den Gruppenleiter Ihrer Selbsthilfegruppe an oder schreiben Sie mir eine Mail. Sie erhalten dann gerne noch weitere Tipps.

zu 8) Patient muss auf die Toilette, setzt die Maske dazu ab. Bis er danach die Maske wieder aufgesetzt hat, ist er wach und kann nicht mehr schlafen.

Bei den meisten Masken ist es möglich, den Beatmungsschlauch einfach von der Maske abzuziehen. Man kann die Maske auflassen und steckt nach dem Toilettenbesuch einfach den Schlauch wieder auf.

Wo das nicht möglich ist, hilft nur eines:
Üben, üben, üben und nochmals üben.
Tagsüber vor dem Spiegel. Solange, bis man das Auf- und Absetzen blind, mit Handschuhen und buchstäblich im Schlaf beherrscht.

zu 9) Patient leidet mit der Maske unter Platzangst oder zieht sich die Maske nachts unbemerkt vom Kopf

Das Unterbewusstsein kennt die neue Situation noch nicht und versucht sich des ungewohnten Fremdkörpers im Gesicht zu entledigen. Dass sich Patienten die Maske in der Nacht unbewusst vom Kopf ziehen, ist deshalb nicht ungewöhnlich. Lassen Sie sich Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Wenn Sie ansonsten Probleme damit haben, mit der Maske auf dem Kopf einzuschlafen, hilft Ihnen der folgende Tipp vielleicht weiter: 

Setzen Sie die Maske tagsüber für einige Minuten auf während Sie wach sind. Steigern Sie die Zeit nach und nach, in der Sie die Maske tragen.
Schauen Sie z.B. Fern oder lesen Sie etwas. So können Sie sich ganz bewusst an die Maske gewöhnen und nach einigen Tagen wird es ihnen immer leichter fallen, mit der Maske zu schlafen.

Verbinden Sie die Übung vielleicht mit schöner Musik, mit dem Betrachten von Urlaubsbildern oder Videos, mit guten Düften bevor Sie die Maske aufsetzen usw. Auf diese Weise erreichen Sie, dass Ihr Unterbewusstsein das Aufsetzen der Maske nach und nach mit etwas Schönem verbindet.

Bei schwerwiegenden Problemen wie Platzangst oder einer Phobie hilft Ihnen vielleicht eine der eingangs erwähnten Therapiealternativen (Unterkieferschiene, Zungenschrittmacher, Gewichtsreduktion) weiter.
Evtl. sollten Sie mit psychologischer Hilfe den Grund Ihrer Platzangst und Ihrer Phobie bearbeiten.

Zum Abschluss noch einmal der eingangs erwähnte Hinweis:

Die Ärzte und Mitarbeiter der Schlaflabore verkünden oft, dass sich die meisten Patienten bereits nach der ersten Nacht  mit der Maske wie neu geboren fühlen.
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass das wirklich so ist.
Kaum jemand in unserer Selbsthilfegruppe war vom ersten Tag an zufrieden.

Rechnen Sie damit, dass Sie sich einige Tage bis Monate daran gewöhnen müssen.
Wenn es schneller geht – umso besser.

Besuchen Sie unsere oder eine beliebige andere Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe. Die Mitglieder werden Ihnen mit ihren eigenen Erfahrungen gerne zur Seite stehen.

Lesen Sie zum Thema auch diesen Beitrag: Kann man mit einer Atemmaske überhaupt schlafen?